Kiruna 02.02.07 - 06.02.07
"Dress like hell" oder Temperatures of Death!"
Am Freitag den 02.02.07 machten wir ( Steffi, Simon, Thilo, David, Irene, Frauke, Dietmar & ich) uns von Uppsala auf den Weg nach Kiruna. Aufgeregt, was uns erwarten würde, bestiegen wir uns um kurz vor 18Uhr den Connex-Zug, bereit für die rund 17stündige Fahrt, die vor uns lag.

Kiruna ist einer der nördlichsten Orte Schwedens und liegt ca. 150km nördlich des Polarkreises. Obwohl wir die Buchung fast alle unabhängig voneinander durchgeführt hatten, landeten wir glücklicherweise alle im Wagen 14. Als sparsame Studenten hatten wir uns, trotz 17 Stunden Fahrt, für die preisgünstigeren Sitzplätze entschieden. Schon bald wurde uns allen schmerzlich bewusst, dass diese ihren Namen nicht umsonst erhalten hatten. Harte Metallerhebungen, die sich beim Liegen unbarmherzig in den Rücken bohrten, trennte die einzelnen Sitze voneinander und erschwerten das Einschlafen merklich.

Hinzu kam, dass es zur späten Stunde erheblich kühl in unserem Abteil wurde und wir uns in Jacken & Decken einmummeln mußten. Dass man die Wagenheizung allerdings selbst regeln konnte, bemerkten wir erst am nächsten Tag, beim Austieg und so wurde die erste Nacht mit rund 15°C doch recht frisch.

Recht erschöpft und unausgeschlafen erreichten wir unser Ziel Kiruna am nächsten Morgen um kurz nach 10Uhr. Doch an Schlaf war erstmal nicht zu denken, denn sogleich wurden wir im Minibus von einer netten Schweizerin, vom Camp Alta, abgeholt.
Hinten v.l.n.r.: Steffi, Dietmar, Mela & Irene / Vorne v.l.n.r.: David, Simon und ThiloNach einem Großeinkauf von Lebensmitteln für die nächsten Tage bei Coop ging es los Richtung Camp Alta, außerhalb von Kiruna. Insgesamt bestand das Camp aus 5 Hütten, wovon wir eine 5-Mann & 3-Mann Hütte gemietet hatten. So teilte ich mir mit Steffi, Simon, Thilo & David die große Hütte, während es sich Frauke, Irene & Dietmar in der kleineren Hütte bequem machten.
5Mann-Huette und ihre Bewohner: Ich, David, Thilo, Simon & SteffiIn unserer Hütte gab es ein Doppelstockbett (ich schlief oben, Thilo unten) ein Bett in der Küche (auf dem David schlief) und eine Couch (auf der es sich Simon & Steffi bequem machten. Außerdem hatten wir eine kleine Küche und ein Bad mit (!) Dusche und ein Plumpsklo. Bereits ein Schild an der Badezimmertür wies auf den sparsamen Warm-Wasser-Verbrauch beim Duschen hin und der Boiler für das Bad (der rund 80l umfasste), wurde mir sofort zum Verhängnis. Nach unserer Ankunft sprang Steffi sogleich unter die Dusche und nach ca.15 Minuten kam ich an die Reihe. Nichtsahnend stellte ich mich unter die Brause, die bereits zu Beginn nur lauwarm war. Doch als ich mich grade so richtig schön eingeschäumt hatte, verwandelte sich das noch lauwarme Wasser in EISKALTES Wasser. Tja, da stand ich dann mit der Spülung in den Haaren und konnte weder vor noch zurück. Doch es half nichts und mit zusammengebissenen Zähnen beendete ich das 1.Duschvergnügen innerhalb kürzester Zeit (so schnell war ich wohl noch nie beim Duschen). Der Inhalt des Boilers mag vielleicht für die Katzenwäsche der Jungs (denen das Wort Spülung kein Begriff war, und diese sogar noch zum Händewaschen mißbrauchten) ausgereicht haben :) , aber für Steffi & mich wurde das tägliche Duschen immer wieder zu einem kleinen Abenteuer...
Am frühen nächsten Morgen sollte es dann auch schon losgehen. Unsere langersehnte Schlittenhundetour stand auf dem Programm. Das trübe Wetter und erneuter Schneefall tat unserer Vorfreude jedoch keinen Abbruch und kurz vor 9 versammelten wir uns alle im Umkleideraum um von Leif die Outdoorkleidung entgegenzunehmen.

Bei der Anprobe :) ... und mit der Effi
Diese bestand aus einem blauen Overall, Handschuhen (3fach), einer Mütze und Stiefeln, die gut und gerne als Sieben-Meilen-Stiefel hätten durchgehen können. Sie waren ungefähr doppelt so groß (ungelogen) wie meine herkömmlichen Moonboots und da ich eine Größe 42 statt 38 bekam (wahrscheinlich war die Standardgröße grad aus) war das Ergebnis gigantisch. Gut eingepackt konnte es schließlich losgehen und in unserem Standard-Overall waren wir optisch kaum noch voneinander zu unterscheiden. Die Hunde wurden bereits in den Schlitten eingespannt und konnten sich vor Aufregung kaum noch Halten.

Wer kann diesem Blick widerstehen ???
Ein ständiges Bellen und Wauzen war zu hören, welches erst verstummte, als das Startkommando ertönte. Wir fuhren auf 2 Schlitten mit jeweils 8 Hunden und um Punkt 9 ging es los.
Die Hunde brausten los, als ginge es um Leben und Tod bis wir nach etwa einer Stunde einen kleinen Rastplatz erreichten. Die Hunde wurden rasch an einen Baum gebunden und ein kleines Lagerfeuer wurde zur Fikapause entfacht. Trotz der guten Kleidung war uns durch das lange Sitzen schon spürbar kalt geworden und dankbar nahmen wir die heißen Getränke und Kekse an der Lagerstelle entgegen.

Unterdessen ging das Wauzen und Bellen der Hundis von vorne los, ihre Lauffreude war wohl noch immer ungebrochen. Nach der kleinen Rast wurden wir wieder auf den Schlitten gepackt, die Hunde losgebunden und im Eiltempo ging es zurück zum Camp. Ich muß sagen, dass ich hierbei den Vorteil hatte, hinter Steffi (die am kleinsten war) und in ihrem Windschatten, sitzen zu können, denn es wurde spätestens auf der Rückfahrt erbarmungslos kalt.
Der 4er-Schlitten : Effi, ich, Simon & ThiloUm 12 Uhr erreichten wir schließlich das Camp und ließen den Tag bei Tee, Karten spielen und einem gemütlichen Essen ausklingen. Schöner hätte ein Tag kaum sein können :) .
Ein weiterer Höhepunkt sollte unsere Schneescooter-Tour am Montag Abend, mit dem Ziel Nordlichter zu sehen, werden. Ich selbst hatte bisher leider noch nicht das Glück Nordlichter sehen zu können, von daher war ich schon voller Spannung und Vorfreude. Der Tag begann mit klarem Himmel und strahlendem Sonnenschein (also eigentlich ideale Bedingungen für das Himmelsspektakel am Abend). Als wir uns nach einem gemütlichen Frühstück aufmachten zu einem Spaziergang am See, zeigte das Thermometer vor unserer Hütte bereits -33°C.
Absolutes Neuland für mich und mein Outfit. Der Spaziergang wurde so auch zum echten Abenteuer, Stillstehen war absolut nicht möglich und blinzelte man zu langsam, froren sogar die Wimpern ein. Selbst meine Haare froren nach kürzester Zeit an den Spitzen ein und ich konnte mir schonmal ein ungefähres Bild von ihrem Aussehen in 40Jahren machen :).

So meine Lieben und da dieser Eintrag ein wenig umfassender sein soll, muesst ihr euch bis zum 2.Teil noch etwas gedulden :) ! Schliesslich möchte ich euch ja keine Details & Fotos dieser unglaublichen Reise vorenthalten. Aber bitte habt noch etwas Geduld, der 2.Teil kommt in Kuerze...
TEIL II
Temperaturen von -33°C waren ja bereits absolutes Neuland für mich und bereits an der absoluten Grenze des erträglichen, doch am späten Nachmittag als die Sonne verschwunden war, sanken die Temperaturen noch weiter. Als wir gegen 19 Uhr noch mal einen vorsichtigen Blick auf unser Thermometer warfen, zeigte dieses – 41°C.
Der Beweis: -41°C
Bereits kurze Zeit klopfte es an unserer Tür und der Guide, der unsere Schneescooter-Tour leiten sollte, betrat unsere Hütte. Bereits in dem Moment war mir bewusst, dass er nicht mit guten Neuigkeiten gekommen war. Und tatsächlich, unsere Tour am späten Abend musste aufgrund der extremen Temperaturen abgesagt werden. Betrübt saßen wir alle am Küchentisch, hatten wir uns doch so sehr darauf gefreut zum ersten Mal im Leben Nordlichter sehen zu können. Doch muß man unserem Guide auch große Umsicht zusprechen, auf Erfrierungen hatte keiner von uns Lust und bereits am Mittag war ein Trupp Spanier mit weißen Stellen im Gesicht von einer Tour zurückgekehrt.
Trotz allem, richtige Stimmung wollte an diesem Abend nicht mehr aufkommen und jeder verkrümelte sich in eine Ecke der Hütte, als gegen 20Uhr erneut die Tür aufsprang und Leif, der Campleiter, in unserer Hütte stand und aufgeregt etwas von Nordlichtern erzählte. Im Nullkommanichts waren wir alle auf den Beinen und auf dem Weg in unsere Schneeanzüge :). Die Nordlichter waren an diesem Abend auch in tieferen Lagen zu sehen und als wir die Tür öffneten, bot sich uns dieser spektakuläre Anblick. Der Anblick lässt sich kaum in Worte fassen, aber ich lasse an der Stelle einfach mal die Bilder für sich sprechen:
Dank Thilo und seiner grandiosen Kamera muß ich euch heute diesen Anblick nicht vorenthalten, denn außer Thilo schaffte es keiner dieses grandiose Naturspektakel festzuhalten.
Bei meiner Kamera versagten bereits nach wenigen Minuten die Batterien - die klimatischen Bedingungen waren einfach zu extrem. Abgesehen davon, ist es auch nicht sehr spaßig bei -41°C die Handschuhe für länger als 5 Sekunden auszuziehen….
Alles in allem also doch ein versöhnlicher Abschluss und erschöpft fielen wir am Ende des Tages in unsere Betten….
DAS ICE-HOTEL
…um am nächsten Tag zum Ice-Hotel in Kiruna zu starten. Ein komplettes Hotel aus Eis? Bereits im Voraus hatten wir uns über den Traum aus Eis schlau gemacht, der preislich allerdings so gar nicht unsere Liga war. Ein Besuch dort war hingegen erschwinglich und während sich Thilo, David, Irene, Frauke und Dietmar mit den Schneescootern auf zum Ice-Hotel machten, frühstückten Steffi, Simon & ich erstmal in aller Ruhe und wurden im Anschluss von einem netten älteren Schweden im Minibus zum Ice-Hotel chauffiert. Dort angekommen, sprangen Steffi & ich schon voller Vorfreude aus dem hintern Teil des Autos. Simon hingegen saß immer noch vorne, bemüht die Beifahrertür zu öffnen. Plötzlich hielt er den Türgriff, der den eisigen Temperaturen wohl auch nicht Stand halten konnte, in seiner Hand – offen war die Tür allerdings immer noch nicht. Während Steffi & ich uns vor Lachen kaum noch halten konnten, blieb der Schwede total relaxt und erklärte Simon, dass Plastik bei den Temperaturen schon mal brechen könne J. Nachdem Simon dann über die Fahrerseite aus dem Auto geklettert war, konnte unserem Besuch im Ice-Hotel nichts mehr im Wege stehen.Rund 3 Stunden Freizeit lagen vor uns und überaus gespannt betraten wir dieses riesige Gebäude komplett aus Eis und der Anblick war gigantisch.


Suiten aus Eis, soweit das Auge reicht. Jede war von einem anderen Designer und zu einem speziellen Thema entwickelt worden und ich hätte wohl keine einzige der Suiten als langweilig oder nicht gelungen bezeichnen können. Hier kommen nun jedoch ein paar Fotos meiner Favoriten:
Hier die Suite 2er russischer Designer und mein absoluter Favorit....


Besonders gelungen fand ich auch den „königlichen“ Speisesaal, in dem wir uns sogleich niederließen.

Die Ice-Queen auf ihrem Thron :)
Sehr „cool“ war auch die Ice-Bar im Hotel, wo man nach einem anstrengendem Tag einen „Vodka on the rocks“ zu sich nehmen kann – falls er (wir befinden uns ja noch immer in Schweden) im Budget liegt J. Aber auch ohne Vodka war diese Bar ein Erlebnis und ihren Besuch wert.
Das letzte Bild einer ueberaus gelungenen und viel zu kurzen Reise... Hinten v.l.n.r.: Thilo, Irene, David, Simon & Frauke. Vorne v.l.n.r.: Ich, Dietmar und Steffi.So, meine Lieben ich hoffe euch gefällt der 2. Blogeintrag zu Kiruna so gut wie der Erste und falls ihr bald eine Reise in den Norden Schwedens plant, lasst es mich wissen - ich hätte ich ein paar sehr gute Reisetipps fuer euch ! Bis ganz bald und die besten Gruesse an dieser Stelle...











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